Rache schmeckt bitter


Heute ist der Tag, ja heute, heute verbringe ich mein Werk, mein Racheakt, mein Sieg.
Es regnet in strömen, schnell rinnt es am Fenster runter, ich wünschte es wäre sein Blut. Die Erde erzittert vom getöse des Donners. Ja verschling doch all das übel! Ja die Welt soll nur erschüttert werden, denn ich möchte meine Rache ausüben, ich möchte ihm alles heimzahlen was er mir angetan hat, ich hasse ihn.
Langsam trete ich aus der Tür, der Wind peitscht mir den Regen scharf ins Gesicht, ich schmecke mein Blut vermischt mir Regen. Immer Zielgerade gehe ich auf den Treffpunkt zu mein Messer versteckt in einer Brusttasche. Oh ja, nun werde ich mein Werk vollbringen, er soll unter dem Messer Leiden, so wie ich litt, er soll qualvoll zu Grunde gehen, an dem was er mir angetan hat, unverzeihlich.
Unter der Bahnübergangs Brücke warte ich, ich warte, ein Zug donnert über mir vorbei, der zweite Zug. Verdammt! Ich fluche laut, was soll das? Er sollte kommen!
Ein kaum erkenntlicher Schatten nähert sich, immer mehr sehe ich seine Umrisse, sie kommen auf mich zu und wollen mich umarmen. Wie gut er doch aussieht, doch ich entreisse mich, ich höre ein Vergib mir, lass Gnade vor Recht walten, doch ich möchte es nicht hören. Die Schmerzen zu groß als das ich ihm vergeben könnte. Ich höre ihn sagen, ich spüre deinen Schmerz, ich spüre das deine Seele weint, doch es ist mir Egal. Voller Hass und Verzweiflung brüll ich zurück, Versuch doch mal eine kaputte Seele zuflicken, jede Wunde kannst man heilen, nur meine nicht.
Mehrere male stech ich, ich möchte sein Herz treffen, welches mich anlügt, welches mir die nie Wahrheit erzählt, welches mich verletzt.
Nun liegt er da, mit einem grinsen, ich denk mir, warum? Er war doch viel stärker als ich, wieso wehrte er sich nicht? Verwirrung macht sich in meinem Kopf breit, doch dann merk ich, es war Liebe die in schwach machte, unerbitterliche Liebe.
Er beugte sich, weil er mich doch liebte, er beugte sich, weil er mir Vergeben hat, so möchte ich ihm auch Vergeben, in all meinem Hass war ich blind, blind vor Liebe, wie man so schön sagt?
Welch Selbstironie, er liegt im Regen auf dem Boden, das Blut vermischt sich und rinnt wie das Wasser am Fenster die Straße hinunter. Langsam stehe ich auf, ich wanke, ritze unsere Initialien in einen nahe stehenden Baum, ramm es tief ins Holz, mit aller Kraft die ich aufbringen kann. Auch der Baum blutet.
Auch wenn es dunkel ist, das Blut des Baumes, wandert langsam den Stamm hinunter, lässt sich nicht von Wind und Wetter beeindrucken, geht seinen Weg.
Ich liebe dich, ich liebe dich, flüstere ich, während ich auf die Leiche zu laufe, Weine bitterlich, schmecke auch diesmal Blut, aber nicht meines, ich schmecke seines.
Wie witzig, immer wieder machte ich mich drüber lustig das jemand aus Kummer stirbt, doch ich sollte nicht alles so, so, ich weiß nicht, ja alles in den Dreck ziehen, ich sollte anfangen, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, doch es sollte nicht soweit kommen.

Am nächsten Morgen fand ein Mann der seinen Hund Gassi führen wollte die zwei Leichen, das Messer und die Narben im Baum. Ein wenig später traf die Polizei ein, jemand sagte, Schau, ich bin schon siebenundzwanzig Jahre verheiratet, alles Fit in der Ehe, und hier ein Paar hyperaktive Kinder stechen sich ab, ritzen Bäume kaputt und denken die Welt wäre so besser.
Wie Herzlos der Mensch doch war, wie verständnisslos. Am liebsten hätte ich ihn auch mit umgebracht, aber das geht ja nicht mehr, Tote können nicht Morden, Tote können keine Rache mehr ausüben, schade drum.
Aber sollte ich nichts gelernt haben? Rache ist nicht süß wie so immer behauptet wird Rache schmeckt wie Blut und Tränen vermischt, Rache schmeckt bitter.

Zurück!?